Logo 20 Jahre energate
Dirk Lindgens: 2001 und 2021.
Dirk Lindgens: 2001 und 2021.

Interview: "Einen ersten Tag gab es eigentlich nie so richtig"

Berlin/Hannover (energate) - Anlässlich unseres 20-jährigen Firmenbestehens blicken wir zurück auf zwei Jahrzehnte Energiemarktentwicklung. Im Interview spricht Chefredakteur Christian Seelos mit dem langjährigen energate-Geschäftsführer Dirk Lindgens über die Anfänge von energate, die ersten Hürden, die der Verlag nehmen musste, und über die vielen Highlights, über die wir in all den Jahren berichteten. Heute ist Dirk Lindgens Leiter Kommunikation bei der Enercity AG in Hannover.

Dirk, energate feiert in diesen Tagen 20-jähriges Bestehen, viele Jahre davon hast du begleitet. Kannst du dich noch an deinen ersten Tag bei energate erinnern?

Einen ersten Tag gab es eigentlich nie so richtig. Ich war vor meiner Zeit bei energate schon bei der conenergy AG beschäftigt, aus deren Kreis sich ein Projektteam für die Gründung von energate gebildet hatte, zusammen mit Marc Hüther und Holger Fleckenstein. Der offizielle Start von energate erfolgte dann zur E-world 2001, daran kann ich mich noch gut erinnern.

Wie war die erste E-world im Vergleich zu heute?

Ganz ehrlich, vieles war noch sehr handgemacht. Wir haben bei der E-world die erste energate-Webseite präsentiert. Ich erinnere mich gut, dass wir nicht überall draufklicken konnten, weil noch gar nicht alle Unterbereiche der Seite fertig waren. Das professionellste am Stand war eigentlich unsere Kaffeemaschine.

Hättest du damals gedacht, dass energate einmal zu einem der führenden Energiefachverlage im deutschsprachigen Raum wird?

Anfangs ja, weil wir absolut motiviert waren. Wir mussten dann aber schnell die erste Delle durchlaufen, weil sich eine rein werbefinanzierte Webseite Anfang der 2000er Jahre nicht so realisieren ließ, wie von uns erhofft. Im Nachhinein war das aber ein Glücksfall, da wir dann auf das Abo-Modell umgestiegen sind und neben der Webseite mit dem energate messenger einen Newsletter und mit der emw ein eigenes Magazin angeboten haben. Nachdem wir verstanden hatten, dass unser USP Energie-News sind, nahm energate Fahrt auf und hat sich zu dem gemausert, was es heute ist.

2001 startete energate mit einem kleinen Team in Essen. Heute sind wir auch in Berlin, Wien, Zürich und Brüssel vertreten. Du bist viel herumgekommen. In welcher dieser Städte könntest du dir vorstellen zu leben?

Ich bin als Rheinländer zum Studium ins Ruhrgebiet gekommen und kann sagen, ich bin hier wirklich heimisch geworden. Genauso gerne war und bin ich aber auch in Berlin. Und was mir auch große Freude bereitet hat, war über energate die Schweiz und die Menschen dort kennenzulernen. Mein Zuhause ist aber das Ruhrgebiet.

Dirk, du blickst inzwischen ja schon auf mehr als 20 Jahre Energiewelt zurück. Was waren für dich in dieser Zeit die großen Meilensteine?

Ich bin ja quasi mit dem Beginn der Liberalisierung in die Energiewelt gekommen. Das war natürlich ein Meilenstein, der für einen großen Wandel gesorgt hat. Auch wenn die Liberalisierung in den Anfangsjahren nur sehr langsam Fahrt aufnahm. Ein weiterer Meilenstein war sicherlich der Beginn der Regulierung, der für viele Unternehmen eine Zäsur darstellte. Anfangs wussten viele noch nicht so recht, was da auf sie zukam. Nicht nur mit dem personellen Aufwuchs der Bundesnetzagentur wurde aber schnell klar, dass das eine ernste Sache wird.

Was hat dich am meisten überrascht?

Früher wie heute kamen die Großfusionen für mich überraschend. 2003 die Fusion von Eon und Ruhrgas, jetzt der Deal zwischen RWE und Eon. Die haben den Markt verändert und verändern ihn im Fall von RWE und Eon jetzt ganz aktuell. Bemerkenswert finde ich, dass diese Deals kartellrechtlich durchgegangen sind, auch wenn bei Eon-Ruhrgas am Ende eine Ministererlaubnis den Weg ebnen musste und bei RWE-Eon das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Auch dabei kommt mit der Streitbeihilfe ja wieder ein Minister in womöglich entscheidender Funktion ins Spiel.

An was erinnerst du dich persönlich besonders gerne?

Die Zeit in der Schweiz war toll, einen neuen Markt, die Menschen und auch das Leben dort kennenzulernen. Auch die vielen Energieveranstaltungen vor allem in Berlin waren eine tolle Gelegenheit, sich abseits des Tagesgeschäfts auszutauschen. Das habe ich sehr genossen und das fehlt mir gerade jetzt in der Coronazeit natürlich ganz besonders.

Das fehlt uns allen. Wenn Corona vorbei ist, mit wem würdest du gerne mal wieder zusammen in der berühmten Marlene-Bar in Berlin stehen?

Als erstes würde ich natürlich mit dem gesamten energate-Team auf den runden Geburtstag anstoßen wollen. Und die Marlene-Bar, die würde ich mir am liebsten prall gefüllt mit vielen Menschen wünschen, so wie es vor der Coronakrise war.

Topaktuelle Energienews und ein Archiv mit über 116.000 Nachrichten
aus 20 Jahren Energiewirtschaft finden Sie im energate messenger+.

30 Tage lang kostenlos kennenlernen.